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1997: Als das Internet nach Sainte-Croix-en-Bresse kam

Hintergrund  21. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Im Herbst 1996 war das Internet in Frankreich für die meisten noch ein Wort aus der Zeitung. Die Telefonleitung pfiff beim Einwählen, Seiten bauten sich Zeile für Zeile auf, und wer eine E-Mail-Adresse hatte, musste sie oft noch erklären – das @ war längst nicht überall zu haben. In diesem Oktober habe ich in einem Weiler bei Sainte-Croix-en-Bresse Netfacts gegründet – eine kleine Firma, die Websites baut, beherbergt und pflegt.

„Les précurseurs d’Internet en Bresse“ – Emmanuel Valluche (links) und Peter Sulser im Netfacts-Büro. Journal de Saône-et-Loire, Ende 1997
„Les précurseurs d’Internet en Bresse“ – Emmanuel Valluche (links) und Peter Sulser im Netfacts-Büro. Journal de Saône-et-Loire, Ende 1997

Bresse-Huhn, per Mail aus Amerika

Einer unserer ersten grossen Kunden war der Comité Interprofessionnel de la Volaille de Bresse, die Vereinigung der Bresse-Geflügelzüchter. Wir bauten ihre Website und leiteten die E-Mails weiter, die von überall eintrafen. Anfangs lief der Server noch bei uns im Büro – nach einem Monat war klar, dass die Leitung dafür nie und nimmer reichte, und wir zogen mit dem Hosting nach Deutschland. Emmanuel Valluche, der sich bei uns um die Kundschaft kümmerte, erzählte der Zeitung damals: „Jede Woche bekommen wir Nachrichten von Amerikanern, die wissen wollen, wie das Bresse-Huhn aufgezogen wird.“ Für die Züchter war das eine kleine Sensation – ihr Huhn war plötzlich weltweit zu finden.

Die Website der Volaille de Bresse am 12. Dezember 1998 – dreisprachig, mit dem Programm der „Glorieuses de Bresse“ und rechts unten: „Création et hébergement par netf@cts“. Bild: Internet Archive (Wayback Machine)
Die Website der Volaille de Bresse am 12. Dezember 1998 – dreisprachig, mit dem Programm der „Glorieuses de Bresse“ und rechts unten: „Création et hébergement par netf@cts“. Bild: Internet Archive (Wayback Machine)

Die Seite sprach Französisch, Deutsch und Englisch, zeigte das Programm der „Glorieuses de Bresse“ – und trug unten rechts den Vermerk, auf den wir stolz waren: „Création et hébergement par netf@cts“. Darüber ein Hinweis, der heute schmunzeln lässt: „Ce site est optimisé pour des navigateurs de version 4.x et des écrans 800×600.“

Dazu kamen eigene Seiten: Info Bresse auf bresse.com stellte die Region vor – Tourismus, Kultur, Sport, Wirtschaft, sogar Bauernhöfe zum Mieten oder Kaufen, auf Französisch, Deutsch und Englisch. burgonde.com, „L’Annuaire de Bourgogne“, zeigte die Betriebe Burgunds nach Branchen. Parallel dazu arbeiteten wir für den Flusstourismus – etwa „Pavillon Saône, au fil de l’eau“ – und brachten mit L’Indépendant, dem Journal de la Bresse et du Jura in Louhans, eine der ersten Lokalzeitungen ins Netz.

So sah Info Bresse am 11. November 1998 aus – dreisprachig, mit unserem Logo „netf@cts“ und den Partnern der ersten Stunde. Bild: Internet Archive (Wayback Machine)
So sah Info Bresse am 11. November 1998 aus – dreisprachig, mit unserem Logo „netf@cts“ und den Partnern der ersten Stunde. Bild: Internet Archive (Wayback Machine)

Im Internet Archive ist die Startseite vom 11. November 1998 bis heute erhalten: oben „Bienvenue Willkommen Welcome“, daneben die Logos von Bresse Initiative, dem Comité der Volaille de Bresse, burgonde.com und L’Indépendant – und unseres: netf@cts, mit dem @ mitten im Namen. Damals war das noch ein kleines Statement.

D’Artagnan geht online

Im Januar 1998 stand die Association D’Artagnan in unserem Büro. Ihr Präsident Roger Trolliet wollte, dass man im Netz nicht nur Restaurants und Weine mit dem Namen des Musketiers findet, sondern seine Geschichte – und die Verbindung zur Bresse. Netfacts baute, beherbergte und betreute die Seite. Die Zeitung titelte: „D’Artagnan débarque sur Internet“.

„D’Artagnan débarque sur Internet“ – die Association D’Artagnan zu Besuch bei Netfacts. Journal de Saône-et-Loire, 14. Januar 1998
„D’Artagnan débarque sur Internet“ – die Association D’Artagnan zu Besuch bei Netfacts. Journal de Saône-et-Loire, 14. Januar 1998

Was davon in coorda steckt

Unser Grundsatz von damals steht im Artikel: Das Internet lebt nur von möglichst vielen, guten Informationen – und es soll den Menschen und Betrieben vor Ort nützen. Genau das ist bis heute der Gedanke hinter coorda: lokale Information, von Menschen statt Algorithmen, aus der Region für die Region. Was damals ein Röhrenmonitor in einem Weiler war, sind heute Server in Europa und Dienste in acht Sprachen.

Und auch das, was Netfacts 1997 angeboten hat – Websites bauen, beherbergen und pflegen –, gibt es wieder: massgeschneidert für Betriebe, Vereine und Gemeinden, auf coorda.com.

Die Zeitungsausschnitte stammen aus dem Journal de Saône-et-Loire (Ende 1997 und 14. Januar 1998).

von Peter Sulser · coorda® · 21. Oktober 2026

Reihenfolge: Nach Publikation

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